Aktive Fonds in der betrieblichen Vorsorge – Lohnen sie sich für österreichische Pensionskassen?

Aktive Fonds in der betrieblichen Vorsorge – Lohnen sie sich für österreichische Pensionskassen?

Einleitung: Die Rolle aktiver Fonds in der betrieblichen Altersvorsorge

In Österreich spielen betriebliche Pensionskassen eine zentrale Rolle in der Altersvorsorge. Laut einer Studie der Oesterreichischen Nationalbank aus dem Jahr 2025 verwalten diese über 30 Milliarden Euro an Vermögen. Ein großer Teil davon wird in Fonds investiert – doch die Frage, ob aktive Fonds hier die richtige Wahl sind, wird kontrovers diskutiert.

Aktive Fonds versprechen, durch geschicktes Stock-Picking und Markt-Timing eine Überrendite gegenüber dem Markt zu erzielen. Doch die Realität zeigt: Nur etwa 10 bis 20 Prozent der aktiven Fonds schaffen es langfristig, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Das wirft die Frage auf, ob die höheren Gebühren aktiver Fonds in der betrieblichen Vorsorge gerechtfertigt sind – oder ob passive Indexfonds (ETFs) die bessere Alternative darstellen.

Aktive vs. passive Fonds: Die zentralen Unterschiede

1. Anlagephilosophie: Stock-Picking vs. Marktbreite

  • Aktive Fonds setzen auf die Expertise von Fondsmanagern, die durch Analysen und Prognosen versuchen, den Markt zu schlagen. Sie kaufen und verkaufen gezielt Einzelwerte, um eine Überrendite (Alpha) zu erzielen.
  • Passive Fonds (ETFs) bilden dagegen einen Index (z. B. den ATX, MSCI World oder Euro Stoxx 50) nach und verzichten auf aktives Management. Ihr Ziel ist es, die Marktperformance möglichst genau abzubilden – ohne den Markt schlagen zu wollen.

2. Kosten: Gebühren als entscheidender Faktor

Ein zentraler Unterschied liegt in den Kosten:

  • Aktive Fonds verlangen in der Regel Gebühren von 1 bis 2 Prozent pro Jahr – teilweise sogar mehr. Diese Kosten setzen sich aus Managementgebühren, Transaktionskosten und Performance-Gebühren zusammen.
  • Passive Fonds (ETFs) sind deutlich günstiger. Die Total Expense Ratio (TER) liegt hier meist bei 0,1 bis 0,5 Prozent – ein Bruchteil der Kosten aktiver Fonds.

Beispiel:
Ein aktiver Fonds mit einer TER von 1,5 % kostet bei einem investierten Vermögen von 100.000 Euro pro Jahr 1.500 Euro. Ein passiver ETF mit einer TER von 0,2 % würde dagegen nur 200 Euro pro Jahr kosten. Über 20 Jahre summieren sich diese Unterschiede auf 26.000 Euro – ein Betrag, der die Rendite deutlich schmälern kann.

3. Performance: Schaffen es aktive Fonds, den Markt zu schlagen?

Die empirische Evidenz spricht eine klare Sprache: Langfristig schaffen es nur wenige aktive Fonds, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Eine Studie der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) aus dem Jahr 2024 zeigt, dass über 80 % der aktiven Fonds in Europa ihren Benchmark-Index nicht über einen Zeitraum von 10 Jahren schlagen konnten.

Gründe dafür:

  • Markteffizienz: Die Finanzmärkte sind heute hochgradig effizient. Informationen werden blitzschnell verarbeitet, was es für Fondsmanager schwierig macht, echte Informationsvorteile zu erzielen.
  • Kostenbelastung: Die hohen Gebühren aktiver Fonds fressen einen großen Teil der potenziellen Überrendite auf.
  • Psychologische Faktoren: Fondsmanager unterliegen oft menschlichen Verzerrungen (z. B. Overconfidence, Herdenverhalten), die zu suboptimalen Entscheidungen führen können.

Aktive Fonds in der betrieblichen Vorsorge: Vor- und Nachteile

Vorteile aktiver Fonds

  1. Potenzial für Überrenditen
    In Nischenmärkten oder ineffizienten Segmenten (z. B. Small Caps, Schwellenländer) können aktive Fondsmanager durch tiefgehende Analysen tatsächlich Mehrwert generieren.
  2. Flexibilität in Krisenzeiten
    Aktive Fondsmanager können in Marktkrisen schneller reagieren – etwa durch defensive Positionierung oder gezielte Käufe in unterbewerteten Sektoren.
  3. Thematische Investments
    Aktive Fonds ermöglichen gezielte Investments in Megatrends wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Demografie, die in passiven Indizes möglicherweise unterrepräsentiert sind.

Nachteile aktiver Fonds

  1. Hohe Kosten
    Die Gebührenbelastung aktiver Fonds ist ein dauerhafter Renditekiller. Selbst wenn ein Fondsmanager in einem Jahr den Markt schlägt, können die Kosten über die Jahre die Performance zunichtemachen.
  2. Intransparenz
    Viele aktive Fonds sind weniger transparent als ETFs. Anleger wissen oft nicht, in welche Einzelwerte investiert wird – was das Risikomanagement erschwert.
  3. Performance-Risiko
    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein aktiver Fonds langfristig den Markt schlägt, ist gering. Das bedeutet: Die meisten Anleger zahlen höhere Gebühren für eine Performance, die oft hinter dem Markt zurückbleibt.

Die Situation in Österreich: Wie Pensionskassen investieren

In Österreich setzen betriebliche Pensionskassen traditionell auf eine Mischung aus aktiven und passiven Fonds. Laut einem Bericht der Finanzmarktaufsicht (FMA) aus dem Jahr 2025 investieren österreichische Pensionskassen etwa 60 % ihres Vermögens in aktive Fonds – ein relativ hoher Anteil im europäischen Vergleich.

Gründe für den hohen Anteil aktiver Fonds:

  • Historische Präferenz: Viele Pensionskassen haben langjährige Beziehungen zu aktiven Fondsanbietern und setzen auf deren Expertise.
  • Regulatorische Vorgaben: Einige Pensionskassen sind durch gesetzliche Vorgaben (z. B. Diversifikationsregeln) gezwungen, in aktive Fonds zu investieren.
  • Renditeerwartungen: Die Hoffnung auf Überrenditen spielt eine Rolle – auch wenn die Realität oft anders aussieht.

Doch der Trend geht klar in Richtung Passivfonds. Immer mehr Pensionskassen erkennen, dass ETFs eine kostengünstige und transparente Alternative darstellen – ohne dabei auf Rendite verzichten zu müssen.

Empirische Belege: Was die Daten sagen

Mehrere Studien belegen, dass passive Fonds in der betrieblichen Vorsorge oft die bessere Wahl sind:

  1. Langfristige Performance
    Eine Studie von Morningstar aus dem Jahr 2024 zeigt, dass nur 12 % der aktiven US-Aktienfonds über einen Zeitraum von 15 Jahren ihren Benchmark-Index schlagen konnten. In Europa liegt die Quote ähnlich niedrig.
  2. Kosten-Nutzen-Analyse
    Eine Meta-Studie der OECD aus dem Jahr 2023 kommt zu dem Schluss, dass die meisten Anleger mit passiven Fonds besser fahren – insbesondere in effizienten Märkten wie den USA oder Westeuropa.
  3. Betriebliche Vorsorge in der Praxis
    Eine Untersuchung der Universität Wien aus dem Jahr 2025 zeigt, dass österreichische Pensionskassen, die stärker in ETFs investieren, langfristig höhere Renditen erzielen als solche, die vor allem auf aktive Fonds setzen.

Fazit: Aktive Fonds in der betrieblichen Vorsorge – ein Auslaufmodell?

Die Datenlage ist klar: Aktive Fonds haben in der betrieblichen Vorsorge einen schweren Stand. Während sie in Nischenmärkten oder speziellen Anlagestrategien durchaus sinnvoll sein können, überwiegen in den meisten Fällen die Nachteile – insbesondere die hohen Kosten und die geringe Wahrscheinlichkeit, den Markt zu schlagen.

Für österreichische Pensionskassen bedeutet das:

  • Kosteneffizienz sollte im Vordergrund stehen – und hier sind passive Fonds (ETFs) klar überlegen.
  • Aktive Fonds können in begrenzten Bereichen (z. B. Small Caps, Nachhaltigkeit) sinnvoll sein, sollten aber nicht den Hauptteil des Portfolios ausmachen.
  • Transparenz und Kontrolle sind entscheidend – und hier punkten ETFs mit ihrer klaren Indexnachbildung.

Die Zukunft der betrieblichen Vorsorge in Österreich wird daher wahrscheinlich immer stärker von passiven Fonds geprägt sein. Doch der Übergang wird schrittweise erfolgen – nicht zuletzt wegen der langfristigen Verträge und regulatorischen Rahmenbedingungen.

Weiterführende Informationen:

Über den Autor: Bernhard Führer

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