
Aktive Fonds in Österreich: Wann sich das Fondsmanagement für Pensionsvermögen tatsächlich lohnt

Aktive Fonds in Österreich: Wann sich das Fondsmanagement für Pensionsvermögen tatsächlich lohnt
Aktiv gemanagte Fonds haben ein überzeugendes Versprechen: Ein professionelles Management soll jene Wertpapiere auswählen, die sich besser entwickeln als der Gesamtmarkt. In schwachen Börsenphasen soll das Fondsmanagement Risiken reduzieren, in günstigen Phasen Chancen erkennen und durch gezielte Entscheidungen eine zusätzliche Rendite erwirtschaften.
Für langfristiges Pensionsvermögen klingt das zunächst attraktiv.
Doch gerade bei Altersvorsorge und Pensionskassen stellt sich eine nüchterne Frage: Wie viel zusätzliche Rendite muss ein aktiver Fonds erwirtschaften, damit sich die höheren Kosten gegenüber einem passiven Fonds oder ETF tatsächlich lohnen?
Die Frage ist nicht akademisch. Das österreichische Pensionsvermögen ist in erheblichem Umfang über Fonds investiert. Nach aktuellen Daten der Oesterreichischen Nationalbank zur betrieblichen Altersvorsorge verwalten Pensionskassen in Österreich rund 30 Milliarden Euro. Besonders bemerkenswert: 94 Prozent des Veranlagungsvolumens der Pensionskassen werden über Investmentfonds investiert.
Damit ist die Frage nach Kosten, Leistung und Auswahl des Fondsmanagements unmittelbar eine Frage der langfristigen Altersvorsorge.
Aktive und passive Fonds: Zwei unterschiedliche Philosophien
Ein aktiv gemanagter Fonds versucht, durch Entscheidungen des Managements besser abzuschneiden als ein bestimmter Vergleichsmaßstab.
Das Fondsmanagement kann beispielsweise entscheiden:
- bestimmte Aktien stärker zu gewichten,
- andere Unternehmen nicht zu kaufen,
- Länder oder Branchen unterzugewichten,
- bei erwarteten Kursrückgängen Liquidität aufzubauen,
- einzelne Anleihen gezielt auszuwählen oder
- die Laufzeiten eines Anleiheportfolios zu verändern.
Ein passiver Fonds verfolgt dagegen ein anderes Konzept. Er versucht nicht, den Markt zu schlagen, sondern einen bestimmten Index möglichst genau abzubilden.
Ein ETF auf einen Aktienindex kann beispielsweise die Unternehmen dieses Index entsprechend ihrer Gewichtung halten. Die Finanzmarktaufsicht erklärt ETFs deshalb als passive Fonds, die typischerweise einen Börsenindex abbilden.
Damit stehen sich nicht „gute“ und „schlechte“ Fonds gegenüber.
Es geht um zwei unterschiedliche Ansätze:
Aktiv: Der Fonds versucht, durch Auswahl und Management einen Mehrwert gegenüber dem Markt zu schaffen.
Passiv: Der Fonds akzeptiert die Marktrendite und versucht, diese möglichst kostengünstig abzubilden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob aktives Management theoretisch funktionieren kann.
Es kann.
Die entscheidende Frage lautet, wie häufig es nach Kosten dauerhaft funktioniert.
Österreichs Pensionskassen setzen stark auf Fonds
Die Bedeutung von Fonds für die österreichische Altersvorsorge ist größer, als es die öffentliche Diskussion vermuten lässt.
Laut aktuellen Daten der OeNB belief sich das Vermögen der österreichischen Pensionskassen im ersten Quartal 2026 auf rund 30,3 Milliarden Euro. Davon entfielen rund 28,7 Milliarden Euro auf Investmentfonds und Geldmarktfonds.
Besonders interessant ist die Zusammensetzung: Rund 6,5 Milliarden Euro lagen in Aktienfonds, 7,9 Milliarden Euro in Rentenfonds und 10,9 Milliarden Euro in gemischten Fonds. Die aktuellen Zahlen sind in der OeNB-Statistik zu den Pensionskassen abrufbar.
Noch interessanter wird die Betrachtung bei einem Blick unter die Oberfläche.
Die OeNB hat für 2025 analysiert, in welche Wertpapiere österreichische Pensionskassen tatsächlich investieren. Dabei zeigt sich ein sehr hoher Internationalisierungsgrad: Das durchgerechnete Auslandsexposure der Wertpapierveranlagungen lag bei rund 93 Prozent.
Das bedeutet: Ein Fonds mit österreichischem Sitz kann durchaus überwiegend in ausländische Aktien und Anleihen investieren.
Für die Beurteilung eines Fonds ist daher nicht entscheidend, wo der Fonds aufgelegt wurde. Entscheidend ist, welches Risiko tatsächlich im Portfolio steckt.
Die große Frage: Kann aktives Management den Markt schlagen?
Hier wird die Datenlage interessant.
Eine Analyse der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA zur Performance aktiver und passiver UCITS-Fonds kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Aktive Aktienfonds haben in den untersuchten Jahren nach Kosten im Aggregat sowohl gegenüber passiven Fonds und ETFs als auch gegenüber ihren Benchmarks schlechter abgeschnitten.
Der wichtigste Faktor war dabei nicht, dass aktive Fonds grundsätzlich keine guten Anlageentscheidungen treffen.
Das Problem waren vor allem die laufenden Kosten.
Ein aktiver Fonds muss zunächst seine eigenen Gebühren verdienen, bevor überhaupt ein Vorteil gegenüber einem günstigeren passiven Fonds entsteht.
Genau hier liegt der strukturelle Nachteil.
Ein Prozentpunkt klingt klein – ist es aber nicht
Nehmen wir zwei Fonds mit einem Anfangskapital von 100.000 Euro.
Beide erzielen vor Kosten langfristig dieselbe Marktrendite von angenommenen 6 Prozent.
Der aktive Fonds verursacht insgesamt 1,5 Prozent jährliche Kosten.
Der passive Fonds kostet 0,3 Prozent.
Damit bleiben vereinfacht:
- aktiver Fonds: 4,5 Prozent Nettorendite
- passiver Fonds: 5,7 Prozent Nettorendite
Nach 25 Jahren ergibt sich daraus ein erheblicher Unterschied.
Bei 4,5 Prozent wächst das Kapital auf rund 300.000 Euro.
Bei 5,7 Prozent wären es rund 403.000 Euro.
Der Unterschied beträgt damit mehr als 100.000 Euro.
Das Beispiel ist bewusst vereinfacht und berücksichtigt weder Steuern noch Schwankungen noch unterschiedliche tatsächliche Renditen. Es zeigt aber eine zentrale Eigenschaft langfristiger Geldanlage:
Kosten werden nicht einmal bezahlt. Sie wirken jedes Jahr auf das bereits gewachsene Kapital.
Der aktuelle Fondsgebührenvergleich der FMA zeigt für österreichische Publikumsfonds, wie groß diese Unterschiede tatsächlich sein können. Bei der Untersuchung von 988 Fonds mit rund 120 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen lagen die durchschnittlichen laufenden Verwaltungsgebühren 2024 bei 1,13 Prozent. Bei Aktienfonds waren es im volumengewichteten Mittel sogar 1,46 Prozent.
Hinzu können Einstiegskosten und Transaktionskosten kommen.
Der Fonds muss nicht nur gut sein. Er muss gut genug sein.
Ein aktiver Fonds kann gegenüber seinem Vergleichsindex durchaus Mehrwert schaffen.
Aber die Hürde liegt höher, als die Bruttoperformance vermuten lässt.
Angenommen, ein Index erzielt langfristig 6 Prozent.
Ein passiver ETF kostet 0,2 Prozent.
Der ETF liefert vereinfacht rund 5,8 Prozent vor Steuern und sonstigen Kosten.
Ein aktiver Fonds kostet dagegen 1,5 Prozent.
Damit müsste der Fondsmanager nicht nur den Markt erreichen. Er müsste zusätzlich etwa 1,3 Prozentpunkte Mehrwert pro Jahr erzielen, nur um mit dem günstigen ETF gleichzuziehen.
Erst darüber beginnt ein echter Vorteil.
Das ist eine hohe Hürde, insbesondere weil die zusätzliche Leistung nicht nur in einem einzelnen guten Jahr, sondern möglichst über lange Zeiträume erbracht werden müsste.
Die Suche nach dem „Starfonds“ ist schwieriger als sie klingt
Ein besonders verführerischer Gedanke lautet:
Einfach den Fonds kaufen, der in den vergangenen Jahren am besten abgeschnitten hat.
Das Problem: Vergangene Spitzenleistungen lassen sich nur schwer zuverlässig in die Zukunft übertragen.
Die europäische Aufsicht ESMA kommt bei ihrer Analyse zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Die besten 25 Prozent der aktiv gemanagten Aktienfonds konnten in bestimmten Zeiträumen zwar eine Outperformance erzielen. Die Zusammensetzung dieser Spitzengruppe veränderte sich jedoch im Zeitverlauf deutlich.
Mit anderen Worten:
Ein Fonds, der heute zu den besten gehört, muss nicht derselbe sein, der morgen zu den besten gehört.
Das macht die Auswahl eines aktiven Fonds anspruchsvoller als einen reinen Kostenvergleich.
Es reicht nicht, die Renditetabelle der vergangenen drei Jahre zu betrachten.
Was bedeutet „aktiv“ überhaupt?
Aktives Management ist kein einheitliches Konzept.
Ein Fonds kann sehr stark vom Vergleichsindex abweichen. Ein anderer Fonds kann dagegen nur geringfügige Abweichungen vornehmen.
Zwei Fonds können beide als „aktiv“ bezeichnet werden und trotzdem völlig unterschiedliche Anlagestrategien verfolgen.
Wichtige Fragen sind daher:
Wie stark unterscheidet sich das Portfolio vom Index?
Wie viele Positionen werden tatsächlich aktiv verändert?
Wie hoch ist die Umschlagshäufigkeit?
Wie viel Liquidität hält der Fonds?
Welche Risiken werden gegenüber der Benchmark eingegangen?
Welche Kosten entstehen dafür?
Ein Fonds, der sehr ähnlich wie der Index investiert, aber deutlich höhere Gebühren verlangt, verdient eine besonders kritische Betrachtung.
Der Vergleichsindex ist entscheidend
Eine Fondsrendite von 8 Prozent klingt zunächst gut.
Doch 8 Prozent sind nur dann aussagekräftig, wenn bekannt ist, womit verglichen wird.
Ein Fonds, der 8 Prozent erwirtschaftet, während sein relevanter Vergleichsindex 10 Prozent erreicht, hat den Markt nicht geschlagen.
Ein Fonds mit 6 Prozent Rendite kann dagegen sehr wohl erfolgreich sein, wenn sein Vergleichsmaßstab im selben Zeitraum nur 4 Prozent erzielt.
Deshalb sollte ein Fonds niemals isoliert nach seiner absoluten Rendite beurteilt werden.
Die entscheidende Kennzahl ist die relative Rendite nach Kosten gegenüber einer passenden Benchmark.
Auch die europäische Regulierung verlangt, dass UCITS-Fonds ihre Strategie als aktiv oder passiv einordnen und eine Referenzbenchmark offenlegen. Die ESMA-Informationen zu Kosten und Performance von Investmentprodukten erklären die Bedeutung dieser Transparenz.
Warum aktive Fonds trotzdem sinnvoll sein können
Die Daten sprechen nicht dafür, aktive Fonds pauschal abzuschreiben.
Es gibt Situationen, in denen aktives Management einen plausiblen Mehrwert bieten kann.
Weniger effiziente Märkte
In kleineren Aktienmärkten, bestimmten Nischen oder weniger transparenten Anlageklassen können Informationsvorsprünge stärker ins Gewicht fallen.
Anleihen
Bei Anleihen ist die Situation anders als bei Aktien. Ein Fondsmanager kann beispielsweise Bonitätsrisiken, Laufzeiten, Emittenten und unterschiedliche Anleihestrukturen gezielt analysieren.
Die empirische Evidenz ist auch hier keineswegs eindeutig, aber die Möglichkeit aktiver Mehrwertschöpfung ist grundsätzlich plausibel.
Risikosteuerung
Ein aktiver Manager kann versuchen, Risiken gezielt zu reduzieren.
Allerdings muss auch hier überprüft werden, ob diese Fähigkeit tatsächlich vorhanden ist oder lediglich im Verkaufsprospekt behauptet wird.
Spezialisierte Strategien
Private Markets, bestimmte Schwellenländer oder spezielle Anleihesegmente können weniger einfach über einen einzigen Standardindex abgebildet werden.
Aktives Management kann hier einen nachvollziehbaren Zweck erfüllen.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht:
„Aktiv oder passiv?“
Sondern:
„Wo bietet aktives Management einen Mehrwert, der seine Kosten rechtfertigt?“
Pensionsgeld hat einen besonderen Vorteil: Zeit
Bei Pensionsvermögen spielt ein Faktor eine besonders große Rolle: der Anlagehorizont.
Das Geld wird nicht morgen benötigt.
Ein Teil des Kapitals kann über Jahrzehnte investiert bleiben.
Dadurch können langfristig orientierte Strategien Kursschwankungen besser verkraften.
Die Risikostreuung bleibt dabei ein zentraler Grundsatz. Ein einzelner Fondsmanager sollte nicht darüber entscheiden, wie das gesamte Altersvorsorgevermögen investiert wird.
Auch innerhalb eines aktiven Fonds kann Diversifikation vorhanden sein. Entscheidend ist jedoch, wie stark sich die tatsächlichen Positionen vom übrigen Portfolio unterscheiden.
Ein Pensionsportfolio mit zehn Fonds ist nicht automatisch stärker diversifiziert als eines mit drei Fonds.
Wenn alle zehn Fonds dieselben großen US-Technologieunternehmen besitzen, entsteht lediglich der Eindruck von Vielfalt.
Ein Fonds ist noch keine Anlagestrategie
Das ist einer der häufigsten Denkfehler.
Ein Fonds ist ein Instrument.
Eine Anlagestrategie besteht aus mehreren Entscheidungen:
- Welche Anlageklassen werden verwendet?
- Wie hoch ist der Aktienanteil?
- Wie viel Risiko ist erwünscht?
- Wie stark wird international diversifiziert?
- Welche Liquiditätsreserve besteht?
- Welche Kosten entstehen?
- Wie wird regelmäßig rebalanciert?
- Wann wird Kapital entnommen?
Ein aktiver Fonds kann in einer guten Gesamtstrategie sinnvoll sein.
Er kann aber auch eine schlechte Strategie nicht retten.
Wenn ein Portfolio beispielsweise zu 90 Prozent aus stark schwankenden Aktienfonds besteht, wird es durch die Tatsache, dass diese Fonds aktiv gemanagt werden, nicht automatisch defensiv.
Kosten sind in Österreich besonders relevant
Die österreichische Fondslandschaft weist eine große Bandbreite an Gebühren auf.
Die FMA-Studie zu Fondsgebühren zeigt für 2024 bei österreichischen Publikumsfonds durchschnittliche laufende Verwaltungsgebühren von 1,13 Prozent. Bei Aktienfonds lag der volumengewichtete Durchschnitt bei 1,46 Prozent.
Zum Vergleich: Die europäische Aufsicht ESMA berichtet für den EU-Markt, dass die laufenden Kosten von UCITS-Fonds 2024 weiter zurückgingen. Bei Retail-Aktienfonds sanken sie gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent, bei Anleihefonds um knapp 15 Prozent. Bei bereits länger bestehenden Fonds waren die Rückgänge allerdings deutlich geringer.
Das ist ein wichtiger Punkt:
Der europäische Fondsmarkt wird günstiger, aber nicht jeder bestehende Fonds wird automatisch günstiger.
Bei der Auswahl sollte deshalb nicht nur auf den aktuellen Durchschnitt geschaut werden. Entscheidend sind die konkreten Kosten des jeweiligen Produkts.
Ein aktiver Fonds muss mehr leisten als ein ETF
Die FMA beschreibt ETFs als passive Fonds, die typischerweise einen Index abbilden und aufgrund des geringeren Managementaufwands häufig niedrigere laufende Kosten aufweisen.
Das bedeutet nicht, dass jeder ETF automatisch besser ist.
Ein ETF kann:
- einen ungeeigneten Index abbilden,
- stark konzentriert sein,
- Währungsrisiken enthalten,
- eine hohe Volatilität aufweisen oder
- steuerlich nicht optimal zur persönlichen Situation passen.
Die passive Konstruktion allein ist deshalb kein Qualitätsmerkmal.
Sie macht lediglich das Anlageversprechen klarer:
Der ETF versucht nicht, den Markt zu schlagen.
Ein aktiver Fonds macht dagegen ein zusätzliches Versprechen:
Das Management versucht, durch seine Entscheidungen einen Mehrwert zu erzielen.
Dieses zusätzliche Versprechen sollte messbar überprüfbar sein.
Was bei Pensionsfonds besonders geprüft werden sollte
Bei einem langfristigen Pensionsportfolio ist nicht nur die Rendite wichtig.
Eine sinnvolle Beurteilung sollte mindestens sechs Ebenen umfassen:
1. Performance
Wie hat sich der Fonds über fünf, zehn und möglichst längere Zeiträume entwickelt?
2. Benchmark
Welche Vergleichsgröße ist tatsächlich relevant?
3. Kosten
Wie hoch sind laufende Gebühren, Einstiegskosten, Transaktionskosten und gegebenenfalls weitere Kosten?
4. Risiko
Wie stark schwankt der Fonds? Wie hoch waren historische Verluste? Wie verhielt sich der Fonds in Krisen?
5. Konsistenz
War die Outperformance dauerhaft oder konzentrierte sie sich auf wenige Jahre?
6. Portfolio
Welche Wertpapiere befinden sich tatsächlich im Fonds?
Gerade die letzten beiden Punkte werden häufig unterschätzt.
Eine außergewöhnliche Rendite kann beispielsweise aus einer einzigen starken Marktphase stammen. Das ist etwas anderes als ein Fonds, der über mehrere Marktzyklen hinweg einen stabilen Mehrwert erzielt.
Die Psychologie des Fondsvergleichs
Menschen neigen dazu, Gewinner zu überschätzen.
Ein Fonds mit 30 Prozent Rendite im vergangenen Jahr wirkt überzeugender als einer mit 12 Prozent. Dabei kann der erste Fonds erheblich höhere Risiken eingegangen sein.
Dieses Phänomen ist ein Beispiel für den Recency Bias: Aktuelle oder besonders auffällige Informationen erhalten im Denken häufig ein zu hohes Gewicht.
Bei der Geldanlage kann das teuer werden.
Ein Pensionsportfolio sollte nicht danach zusammengestellt werden, welcher Fonds gerade in den Medien besonders gut aussieht.
Die interessantere Frage lautet:
Welche Eigenschaften des Fonds sollen auch in zehn Jahren noch vorhanden sein?
Was sagen die aktuellen europäischen Daten?
Die neuesten verfügbaren Daten zeichnen ein recht klares Bild.
Die ESMA-Analyse zum europäischen Fondsmarkt 2026 zeigt, dass die Kosten von UCITS-Fonds 2024 weiter gesunken sind. Gleichzeitig verbesserten sich die realen Nettorenditen der Fonds deutlich.
Die Entwicklung ist jedoch nicht gleichmäßig. Der Kostenrückgang wurde laut ESMA vor allem durch neu aufgelegte, günstigere Fonds getragen. Bei bestehenden Fonds war der Rückgang wesentlich begrenzter.
Damit entsteht ein wichtiger Unterschied zwischen Marktentwicklung und persönlichem Depot.
Dass der durchschnittliche Fondsmarkt günstiger wird, bedeutet nicht automatisch, dass ein bestehender Fonds günstig geworden ist.
Was bedeutet das für österreichische Pensionskassen?
Die österreichischen Pensionskassen stehen vor einer besonderen Aufgabe.
Sie verwalten langfristiges Kapital mit einem Anlagehorizont, der teilweise mehrere Jahrzehnte umfasst. Gleichzeitig müssen sie Risiken kontrollieren, gesetzliche Vorgaben erfüllen und eine angemessene Diversifikation sicherstellen.
Die OeNB zeigt, dass Pensionskassen dabei stark auf Investmentfonds setzen und über diese Fonds sehr international investieren.
Das ist grundsätzlich sinnvoll, weil österreichisches Pensionsvermögen nicht ausschließlich vom österreichischen Aktien- oder Anleihemarkt abhängig sein sollte.
Die entscheidende Frage verschiebt sich damit jedoch:
Nicht „Fonds oder kein Fonds?“ ist die zentrale Frage, sondern „Welcher Fonds erfüllt welche Funktion im Gesamtportfolio?“
Ein günstiger passiver Weltaktienfonds kann eine andere Funktion erfüllen als ein aktiv gemanagter europäischer Anleihenfonds.
Beide lassen sich deshalb nicht sinnvoll anhand einer einzigen Renditezahl vergleichen.
Die faire Bilanz
Aktive Fonds haben einen legitimen Platz in der Geldanlage.
Sie können dort interessant sein, wo ein nachvollziehbarer Informationsvorsprung, eine besondere Marktstruktur oder eine aktive Risikosteuerung einen Mehrwert erwarten lässt.
Die Messlatte muss allerdings höher liegen als bei einem passiven Produkt.
Ein aktiver Fonds muss nicht nur gute absolute Renditen erzielen.
Er muss nach Kosten und im Verhältnis zu einer geeigneten Benchmark einen Mehrwert schaffen.
Die europäische Datenlage zeigt, dass dies im Durchschnitt schwierig ist. Die Kosten spielen dabei eine zentrale Rolle.
Das bedeutet nicht, dass kein Fondsmanager den Markt schlagen kann.
Es bedeutet, dass die Auswahl eines Fondsmanagers selbst eine anspruchsvolle Anlageentscheidung ist.
Für Pensionsvermögen ist daher eine nüchterne Kombination häufig überzeugender als eine ideologische Entscheidung für eine Seite: passive Bausteine dort, wo Märkte effizient und günstig abbildbar sind, aktive Bausteine dort, wo ein nachvollziehbarer Mehrwert realistisch erscheint.
Weitere Überlegungen zur Rolle aktiver Fonds in der österreichischen Altersvorsorge finden sich auch im Beitrag „Aktive Fonds in der betrieblichen Vorsorge – Lohnen sie sich für österreichische Pensionskassen?“.
Für die grundsätzliche Strukturierung eines Wertpapiervermögens bietet außerdem „Geld anlegen in Österreich: Worauf es wirklich ankommt“ einen weiterführenden Überblick.
Und wer die psychologische Seite der Geldanlage vertiefen möchte, findet im Beitrag „Eigenverantwortlich anlegen in Österreich: Chancen, Fallen und der lange Atem“ weitere Anknüpfungspunkte.
Checkliste: Aktiven Fonds für langfristiges Pensionsvermögen prüfen
- Ist klar definiert, welche Aufgabe der Fonds im Gesamtportfolio erfüllt?
- Gibt es eine nachvollziehbare Benchmark?
- Wurde die Performance über mindestens fünf bis zehn Jahre betrachtet?
- Wurde die Rendite nach Kosten mit der Benchmark verglichen?
- Sind laufende Verwaltungsgebühren bekannt?
- Sind Einstiegskosten und sonstige Kosten berücksichtigt?
- Ist bekannt, wie stark der Fonds von seiner Benchmark abweicht?
- Wurde die Risikostruktur und der maximale historische Verlust betrachtet?
- Ist die Outperformance über mehrere Marktphasen hinweg erkennbar?
- Ist nachvollziehbar, warum das Fondsmanagement künftig einen Mehrwert schaffen sollte?
- Sind die größten Positionen und Länder- beziehungsweise Branchengewichte bekannt?
- Überschneidet sich der Fonds stark mit bereits vorhandenen Fonds?
- Ist der Fonds im österreichischen Steuerumfeld sinnvoll einsetzbar?
- Wurde geprüft, ob ein günstiger passiver Fonds dieselbe Funktion erfüllen könnte?
- Passt die Schwankungsbreite zum langfristigen Anlageziel?
- Wird die Entscheidung auf Basis von Daten und nicht allein aufgrund vergangener Spitzenrenditen getroffen?
Fazit
Bei langfristigem Pensionsvermögen ist aktives Fondsmanagement weder automatisch sinnvoll noch automatisch überflüssig.
Der entscheidende Maßstab ist der Mehrwert nach allen Kosten.
Ein aktiver Fonds, der über Jahre hinweg einen relevanten Mehrwert gegenüber einer passenden Benchmark erzielt, kann seine höheren Gebühren rechtfertigen. Ein Fonds, der lediglich einen Index nachbildet, aber dafür deutlich mehr verlangt, hat dagegen einen strukturellen Nachteil.
Gerade bei Pensionsvermögen ist dieser Unterschied erheblich. Kleine jährliche Kostenunterschiede können sich über Jahrzehnte zu großen Beträgen entwickeln.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Welcher Fonds hat zuletzt am besten abgeschnitten?“
Sondern:
„Welcher Fonds erfüllt seine Aufgabe im Portfolio langfristig, transparent, kosteneffizient und nachweisbar besser als die verfügbare Alternative?“
Das ist eine weniger spektakuläre Frage. Für langfristiges Pensionsvermögen ist sie aber wahrscheinlich die wichtigere.

