
Bankeigene Fonds belasten Anlegerdepots – oft ohne erkennbaren Mehrwert

Bankeigene Fonds belasten Anlegerdepots – oft ohne erkennbaren Mehrwert
In vielen österreichischen und europäischen Depots liegen Anlageprodukte der eigenen Hausbank. Eine Auswertung vergleichbarer Studien und Marktanalysen zeigt, dass diese Produkte häufig teurer sind als vergleichbare Angebote unabhängiger Anbieter – und dass der Kostenunterschied die langfristige Rendite spürbar schmälert. Besonders betroffen sind kleinere Portfolios.
Die Finanzmarktaufsicht untersucht regelmäßig die Gebührenstruktur österreichischer Publikumsfonds. Im volumengewichteten Durchschnitt lagen die laufenden Verwaltungsgebühren zuletzt bei 1,13 Prozent. Aktienfonds erreichten 1,46 Prozent, Mischfonds 1,32 Prozent. Die maximalen Einstiegskosten bewegten sich um 3,5 Prozent. Passive Alternativen wie Exchange Traded Funds liegen dagegen oft bei 0,1 bis 0,4 Prozent jährlicher Total Expense Ratio. Der Unterschied von 0,5 bis einem Prozentpunkt pro Jahr summiert sich über zwei Jahrzehnte zu erheblichen Beträgen.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Effekt: Bei einem Anlagebetrag von 100.000 Euro und einer angenommenen Bruttorendite von 6 Prozent entstehen nach 20 Jahren bei 0,3 Prozent laufenden Kosten rund 320.000 Euro. Bei 1,3 Prozent Kosten bleiben etwa 265.000 Euro. Die Differenz von über 50.000 Euro geht direkt zulasten des Anlegers und zugunsten der Produktanbieter.
Bankeigene Produkte finden den Weg in die Depots nicht zufällig. Die Vertriebsstrukturen der Banken begünstigen eigene Fonds und strukturierte Produkte, weil hier die Margen am höchsten ausfallen. Unabhängige Untersuchungen belegen, dass der Anteil hauseigener Produkte in kleineren Depots besonders hoch liegt. Gleichzeitig zeigen empirische Analysen, dass aktiv verwaltete Fonds österreichischer Banken ihren jeweiligen Benchmark-ETFs nach Kosten in den allermeisten Fällen unterlegen bleiben. Die höheren Managementgebühren und Ausgabeaufschläge führen konsistent zu niedrigeren Nettorenditen.
Europäische Aufsichtsbehörden und die österreichische Regulierung fordern seit Jahren mehr Transparenz über Kosten und Interessenkonflikte. Dennoch bleibt die Produktwahl in provisionsbasierten Beratungsmodellen oft vom Vertriebsinteresse geprägt. Wer die Kostenfrage bei der Geldanlage ernst nimmt, erkennt rasch, dass die Wahl des richtigen Maßstabs und die Vermeidung unnötiger Gebühren die entscheidenden Hebel sind. Gleichzeitig wird deutlich, warum unterdurchschnittliche Renditen so häufig auftreten, wenn teure aktive Produkte den Kern des Portfolios bilden. Auch die Frage, wer wen berät und für wen, hängt eng mit diesen strukturellen Anreizen zusammen.
Die österreichische Anlegerkultur hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Immer mehr Haushalte halten Wertpapiere. Gleichzeitig bleibt die Sensibilität für laufende Kosten begrenzt. Informationen zu Fondskosten und Marktstrukturen finden sich auf den Seiten der Oesterreichischen Nationalbank und des Bundesministeriums für Finanzen.
Checkliste zur Bewertung von Fonds- und Depotkosten
- Gesamtkostenquote (TER) der gehaltenen Fonds mit vergleichbaren ETFs oder Indexfonds abgleichen
- Anteil bankeigener oder hauseigener Produkte am Depotvolumen ermitteln
- Einstiegskosten, laufende Verwaltungsgebühren und etwaige Bestandsprovisionen transparent machen
- Langfristige Wirkung eines Kostenunterschieds von 0,5 bis 1 Prozentpunkt auf das Endvermögen berechnen
- Performance der aktiven Fonds nach Kosten gegenüber dem jeweiligen Benchmark prüfen
- Interessenkonflikte im Beratungsmodell (Provision versus Honorar) hinterfragen
- Regelmäßige Überprüfung der Depotstruktur und der Produktkosten vornehmen

